VON ARNO PREISER
Fürstenfeldbruck – Beim
Neujahrskonzert im Stadtsaal, voll besetzt auch am
zweiten Abend, gefiel die Chorgemeinschaft Bruck
mit Kostproben aus bekannten, aber auch extrem selten
zu hörenden Operetten. Auch heuer bewährten
sich Vokalquartett und Mährische Philharmonie
Olmütz, befeuernd wirkte Dirigent Klaus Linkel.
Mit stehenden Ovationen bedankte sich das Publikum
bei beiden Vorstellungen.
Die
Nöte von Amateurensembles – hier:
viele, darunter junge Frauenstimmen, Männerstimmen
mit wenig Nachwuchs – sucht die Chorgemeinschaft
durch fleißiges Proben auszugleichen. Das trug
Früchte, vor allem auch bei der Rarität,
die „Großherzogin von Gerolstein“ von
Jacques Offenbach.
Als Moderatorin, die mitunter
auch die Neugier des Publikums zu wecken wusste,
wies Lilli Linkel auf den Zarenbesuch der Uraufführung
hin – 1867 in Paris, wohin zur Weltausstellung
Fürsten aus aller Welt reisten. Bei der Ouvertüre
spielten die Blechbläser auf den grotesken Militarismus
des Fantasie-Kleinstaats an. Der Bäuerinnen-
und Soldatenchor sang vom baldigen Abmarsch, ein
Walzer des hell timbrierten Tenors Christian Bauer
galt schönen Mädchen, der hochgewachsene
stimmgewaltige Bassbariton Martin Krasnenko prunkte: „Ich
bin der General Bumm, piff, paff, puff, tara papa
pumm!“ Einfühlsam begleitete der Chor
und sang Kehrreime. Mit den Sopranen Andrea Viaricci
und Elisabeth Hallberg war das Quartett vollständig.
Dem Chor glückte es, den nicht leichten Marsch „Welch
ein berühmtes Regiment“ rhythmisch zu pointieren.
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Mit Trompetensolo, klingendem Spiel und Pauken zog
das Orchester martialischem Klang differenzierte Farbigkeit
vor.
Eröffnend
bestätigte das Orchester beim
Walzer „Gold und Silber“ – wo lieblichem
Harfensolo fröhlicher Holzbläserklang und
der Walzer der Streicher folgten – Franz Lehár
als Meister der Silbernen Operettenära. Aus seiner
Operette „Der Zarewitsch“ (1927) sang jede
der Soprane ein Lied oder Duett in leuchtenden Spitzentönen.
Intonierte der Tenor das Lied „Es steht ein Soldat
am Wolgastrand“ berührend, so erhielt die
Stimmung beim Vortrag des Chors melancholisches Gewicht.
Temperamentvolles
Dirigat
Linkel,
der sehr temperamentvoll dirigierte, arrangierte etwa
auch die Lieder einer Robert-Stolz-Auslese für
Solisten und Chor, der beim Slowfox „Die ganze
Welt ist himmelblau, wenn ich in deine Augen schau“ gute
Laune verbreitete. Nun sangen die beiden Soprane, vom
Chor gefolgt, das besinnliche „Vor meinem Vaterhaus
steht eine Linde“. So wechselte die Gestimmtheit,
bis der Chor dem Tenor-Bass-Duett „Musikant,
Musikant, wo ist deine Heimat“ wehmütig
folgte.
Die Stimmung wurde vertieft, bis Quartett und
Chor sie bei „Mein Liebeslied muss ein Walzer
sein“ verscheuchten,
strahlend dessen Schluss. Das Finale mit Ausschnitten
aus der nicht von Johann Strauß selbst für
die Bühne bearbeiteten Operette „Wiener
Blut“ wirkte als Anspielung auf einen groß angelegten
Opernball. Orchester und Chor leiteten ihn mit der
Polonaise ein, „Ach wer zählt die vielen
Namen, die von Nord, Süd, Ost und West gastlich
hier zusammenkamen“.
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