Neue
Akzente gesetzt
Das
war ein Neujahrskonzert, das neue Akzente setzte: Dirigent
Klaus Linkel, die Mährische Philharmonie Olmütz,
die Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck und vier Gesangssolisten
servierten dem begeisterten Publikum diesmal mehr als Strauß – viel
mehr.
Ein
prickelnder Musik-Cocktail
Ein
Neujahrskonzert ohne durchgehende Strauß-Melodien – geht
das? Klaus Linkel, die Mährische philharmonie Olmütz,
die Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck und vier Solisten
haben am Donnerstagabend im Asamsaal beim Konzert für „Menschen
in Not“ gezeigt, dass es geht – und wie! Johann
Strauß kam aber bei den Zugaben auch noch zu seinem
Recht.
Von Heinz Mettig
Freising – Das Publikum
wurde ja bei den bisherigen Neujahrskonzerten des Freisinger
Tagblatts für „Menschen
in Not“ weitgehend mit Melodien der Strauß-Familie
verwöhnt. Klaus Linkel, bereits vor zwei Jahren mit der
Mährischen Philharmonie frenetisch gefeierter Dirigent
des Tagblatt-Konzerts, hat am Donnerstagabend diese Linie vollkommen
verlassen und vor allem Ausschnitte aus Musicals und Operette
geboten. Linkels Ehefrau Lilli führte überaus charmant
durchs Programm, erläuterte dem Publikum die Inhalte der
Musicals und Operetten.
Zum Auftakt dirigierte Kapellmeister
Linkel „Stars and Stripes Forever“ von John Philip
Sousa (1854-1932), den wohl amerikanischsten aller Märsche. „Unter
dem Sternenbanner“ wurde wohl auch deshalb 1987 von US-Präsident
Ronald Reagan zum amerikanischen Nationalmarsch erklärt.
Hier wurde bereits deutlich, dass Linkel das tschechische Orchester
mit seinem überaus temperamentvollen Dirigat fest im Griff
hatte.
Die bekanntesten Melodien aus dem Musical „Das
Phantom der Oper“ boten den Zuhörern im ausverkauften
Asamsaal schaurig-schöne Musik mit unglaublich voluminösen
Passagen. Das Orchester unter Linkels Stabführung präsentierte
vehemente, im wahrsten Sinn des Wortes, Paukenschläge,
aber auch sehr einfühlsam gespielte Passagen. Hier hatte
die von Frauenstimmen dominierte Chorgemeinschaft auch ihren
ersten, von Klaus Linkel geschickt arrangierten Einsatz. Was
der Maestro mit seinem Orchester, der Chorgemeinschaft und
den Solisten in der anschließenden „West Side Story“ arrangierte,
war vom Allerfeinsten. Die Klassiker „I feel pretty“,
natürlich „Maria“, „Tonight“, „Cool“ und
Somewhere“ aus Leonard Bernsteins bekanntestem Werk waren
ein Ohrenschmaus. Vor allem Sopranistin Elisabeth Hallberg,
Tenor Christian Bauer mit seinem weichen Timbre sowie Bariton
Torsten Frisch wussten hier voll zu überzeugen.
Nach der
Pause wurde mehr dem Dreivierteltakt gehuldigt. Aus Carl Zellers „Der
Vogelhändler“ spielte die Mährische Philharmonie
die landläufig bekannten Melodien, sangen die Solisten
mal allein, mal im Duett und es kam auch die zweite Sopranistin
des Abends, Heide Bartl zu ihren Einsätzen.
Lilli und
Klaus Linkel moderierten zwischen den einzelnen Stücken
Zellers Operette gemeinsam – überaus humorig, sehr
zur Erbauung der Zuhörer. Die Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck
war bei diesen Melodien hier nicht nur hervorragend eingebaute
Staffage, sondern eine Formation mit genauen Einsätzen,
deutlicher Artikulation und sehr verständlicher Aussprache.
Keine Frage, dass nach dem Finale das Publikum eine Zugabe
forderte und Klaus Linkel ließ sich nicht lange bitten. „Eljen
a Magyar“, eine „Polka schnell“ von Johann
Strauß, forderte den ganzen Einsatz des temperamentvollen
Dirigenten, sein Orchester tat es ihm freilich gleich. Die
zweite Zugabe war Kabarett auf der Operettenbühne. Die
Solisten Elisabeth Hallberg, Heide Bartl, Christian Bauer und
Torsten Frisch nahmen zur Melodie „Man munkelt“,
ebenfalls aus dem „Vogelhändler“, das aktuelle
Zeitgeschehen auf die Schippe, vom Klimawechsel über Knut
den Eisbären und die Dopingskandale bei den Radlern bis
hin zur „Schwimmbadrettung“ durch Stadtrat Helmut
Kratzer – wann kam der schon je in einer Operettenmelodie
vor. Eine überraschende, aber umso amüsantere Episode
bei diesem Neujahrskonzert.
Am Schluss waren die Zuhörer
selbst Akteure beim Radetzkymarsch, wo Klaus Linkel den vollen
Klatsch-Einsatz forderte – und dafür am Schluss
mit großem Applaus, wie auch die Solisten, der Chor und
das Orchester, belohnt wurde.
Ein
Dankeschön
Das Freisinger Tagblatt als Veranstalter bedankt
sich bei den Sponsoren des Neujahrskonzertes: Sparkasse Freising,
Flughafen München GmbH, Druckerei Lerchl und Stadt Freising.
Die Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck, die vier Gesangssolisten
sowie Dirigent Klaus Linkel und Moderatorin Lilli Linkel verzichteten
zugunsten der Aktion „Menschen in Not“ auf eine
Gage. |